← Katrin Kaschadt

Der erste Videorecorder der amerikanischen Firm Ampex füllt 1956 noch einen ganzen Raum, kostet mehr als 100.000 US Dollar und steht ausschließlich Fernsehsendern zur Verfügung. Mit dem tragbaren Videorekorder Sony-Portapak hält Mitte der 1960er Jahre eine völlig neue Art der mobilen Bilderzeugung Einzug in die Privathaushalte: Zuschauende sind nicht länger nur Empfänger, sondern auch Sender.

Künstler und Künstlerinnen erkennen rasch das Potential dieser neuen Technik: Bild und Ton selbständig und kostengünstig aufzuzeichnen, abzuspielen und zu manipulieren sowie Aufnahmen in Echtzeit wiederzugeben war bislang nicht möglich gewesen. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelt sich die Videokunst zu einer der einflussreichsten Kunstformen der Gegenwart. Heute umfasst sie ein breites Spektrum, analog und digital: Videofilme und Installationen, Videoperformances, Glitch- und Game-Art, KI-generierte oder netzbasierte Werke. Früh wird das neue Medium auch theoretisch reflektiert; einige Texte sind heute, im postdigitalen Zeitalter von Fake News, Post Truth, Social Media & KI von besonderer Relevanz, etwa solche, die Fragen nach unserer Wahrnehmung in einer maßgeblich durch technische Medien geprägten Gegenwart stellen.

Im Seminar werden wir anhand ausgewählter Beispiele (1960er Jahre - jüngste Gegenwart) wichtige künstlerische Positionen kennenlernen, uns der spezifischen Ästhetik der Videokunst nähern, Bezüge zu anderen Kunstgattungen und zur Popkultur herstellen und zentrale Texte aus Kunst- und Medientheorie diskutieren.

Zu Semsterbeginn ist ein gemeinsamer Ausstellungsbesuch in München geplant.

Leistungsnachweis: Regelmäßige Teilnahme, aktive Mitarbeit, Kurzreferat und Seminararbeit.

www.medienkunstnetz.de (Rudolf Frieling & Dieter Daniels, ZKM) // ubuweb.com // Signals. How Video transforms the World. Ausst.Kat. New York (2023) // Dieter Daniels, Jan Thorben (Hg.): Videotheorien. (2024) // 40 Jahre Videokunst.de. Ausst.Kat. Karlsruhe (2006) // Annette Jael Lehmann: Kunst & Neue Medien. (2008) // Dieter Daniels, Stephan Berg (Hg.): TeleGen. Kunst und Fernsehen. Ausst. Kat. Bonn (2016)